Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie
Projekte
DELIGHT
Projektleitung: Frau PD Dr.med. Stephanie Stock
Ansprechpartner: Frau PD Dr.med. Stephanie Stock, Frau Anna Drabik
Projektkurzbeschreibung: Einleitung und Zielsetzung: Die DELIGHT Studie untersucht, ob unter
den finanziellen und strukturellen Bedingungen der gesetzlichen Krankenkasse eine erfolgreiche
Diabetesprävention im betrieblichen Setting möglich ist. Die Studie wurde primär vom
Universitätsklinikum Hamburg‐Eppendorf mit Unterstützung der AOK Schleswig‐Holstein
durchgeführt. Das IGKE übernimmt die gesundheitsökonomische Evaluation, in der die Vermutung
geprüft wird, ob die Teilnahme an einem solchen Programm kurzfristig steigende Kosten aus Sicht
der Krankenversicherung verursacht. Hinter der Vermutung steht die Annahme, dass Personen,
sobald sie auf ihre gesundheitlichen Risiken aufmerksam gemacht werden, mehr Arztbesuche in
Anspruch nehmen und die Kosten für Arzneimittel, Heil‐ und Hilfsmittel und/oder Krankenhaus
steigen.
Methodik: Das Projekt wurde in einem betrieblichen Setting in Schleswig Holstein durchgeführt.
Betroffenen mit Taillenumfang von ≥94 bzw. ≥80 cm (Männer / Frauen) wurden Messungen, der
Anthropometrie, des Blutzuckers nüchtern und 2 Std. nach 75 g Glukose, des Lipidprofils sowie
Erhebungen zum Lebensstil angeboten. Sie erhielten die Möglichkeit, 3 Jahre an einem
Basisprogramm zu Ernährung und Walking teilzunehmen, was 300 Personen in Anspruch nahmen.
Messungen der Anthropometrie, der Blutwerte und Erhebungen zum Lebensstil wurden über einen
Zeitraum von 3 Jahren (Interventionszeitraum) dokumentiert und mittels deskriptiver Statistik
analysiert. Für die gesundheitsökonomische Evaluation mittels Krankenkassendaten zur
Leistungsinanspruchnahme stehen 33 der 300 Personen der Interventionsgruppe zur Verfügung.
Ihre Inanspruchnahme von Arzneimitteln, Krankenhaus und Heil- und Hilfsmitteln sowie die
zusätzlich erhobenen medizinischen Daten werden deskriptiv in einem Prae-Post Vergleich
betrachtet.
Medizinische Ergebnisse: Nach 6 Monaten lag das Gewicht Erfolgreicher (≥1 kg
Gewichtsabnahme) bei Männern 6 kg und bei Frauen 3 kg niedriger, Blutzucker, Lipide und
Blutdruck hatten sich verbessert. Es war kein neuer Fall eines Diabetes aufgetreten. Das
Risikoprofil konnte nach 1 Jahr weiter verbessert werden. Die Selbstmessung der Taille und die
Nüchternblutzuckermessung sind geeignet, Diabetesgefährdete mit Metabolischem Syndrom zu
identifizieren.
Gesundheitsökonomische Ergebnisse: liegen noch nicht vor (Projekt läuft bis Ende 2010)
Schlussfolgerung: Diabetesprävention unter den Bedingungen einer gesetzlichen Krankenkasse ist
möglich und kann mittels unaufwendiger Lebensstilintervention erfolgreich sein. Der
Langzeiteffekt über 3 Jahre sowie der gesundheitsökonomische Aspekt werden zur Zeit geprüft.
Zeitraum: Januar 2006 – Dezember 2010
Ungleichheit in der gesundheitlichen Versorgung in Deutschland
Projektleitung: Martin Siegel, PD Dr. Markus Lüngen
Ansprechpartner: Martin Siegel
Projektkurzbeschreibung: Das Projekt „Ausmaß und Gründe für Ungleichheiten der
gesundheitlichen Versorgung in Deutschland“ hat untersucht, ob es sozioökonomisch bedingte
gesundheitliche Ungleichheit in Deutschland gibt. Dabei standen neben einfachen deskriptiven
Darstellungen wie Prävalenztabellen auch ursächliche Betrachtungen anhand von
Konzentrationsindizes und deren ökonometrische Zerlegung im Vordergrund
Kontext/Problemlage
Vergangene Armuts- und Reichtumsberichte, wie auch die Gesundheitsberichterstattung des
Bundes und ähnliche zeigen immer häufiger Hinweise auf finanzielle, soziale, kulturelle und auch
gesundheitliche Benachteiligung bestimmter sozialer Gruppen. Dabei häufen sich die Hinweise,
dass, verglichen mit den oberen sozialen Schichten, Personen mit niedrigerem sozialen Status –
etwa niedrigeren Bildungsabschlüssen, geringeren Einkommen oder einfachen bzw. prekären
Beschäftigungsverhältnissen – häufig einen vergleichsweise schlechten Gesundheitszustand
aufweisen, dadurch früher aus dem Berufsleben ausscheiden müssen und sogar früher sterben
Um solchen Entwicklungen entgegen wirken zu können, benötigt die Politik neben einer
deskriptiven Bestandsaufnahme auch empirisch gesicherte, sozialepidemiologische Erklärungen.
Die Ursachen müssen identifiziert oder zumindest eingegrenzt werden, um
Handlungsempfehlungen ableiten zu können.
Fragestellung
Im Fokus der Untersuchungen standen mögliche Wechselwirkungen zwischen dem Lebensstil,
dem Gesundheitszustand, der Inanspruchnahme von Versorgungs- beziehungsweise
Vorsorgeleistungen und dem sozialen Status von Personen. Das vorliegende Projekt sollte
zunächst eine Bestandsaufnahme der gesundheitlichen Lage der Bevölkerung liefern. Darauf
aufbauend sollten die genannten Zusammenhänge genauer untersucht werden. Die zentralen
Fragestellungen waren dabei:
- Hat die soziale Lage einen nachweisbaren Einfluss auf den Gesundheitszustand?
- Hat die soziale Lage, unter Berücksichtigung unterschiedlicher Gesundheitszustände, einen
nachweisbaren Einfluss auf die Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen?
- Unterscheidet sich insbesondere die Inanspruchnahme von Vorsorgeleistungen zwischen
sozialen Gruppen und Geschlechtern?
- Wie unterscheidet sich der Lebensstil im Bezug auf verschiedene soziale Gruppen?
Methode
- Der erste Schritt war die Festlegung des individuellen sozialen Status anhand von
Einkommensquintilen und dem Schichtgruppenindex von TNS Infratest (bestehend aus
Einkommen, höchstem Bildungsabschluss und Erwerbsstatus). So konnte eine sozioökonomische
Hierarchie festgelegt werden.
- Um Verzerrungen durch die demografische Struktur in den sozialen Schichten zu vermeiden,
wurde auf das Verfahren der indirekten Standardisierung zurückgegriffen. Dadurch kann der
Gesundheitszustand um demografische Effekte bereinigt werden, die Inanspruchnahme zusätzlich
um den Gesundheitszustand. Der verbleibende Effekt ist dann anderen (etwa sozioökonomischen)
Einflüssen zuzurechnen.
- Neben der Darstellung nach Einkommensquintilen und sozialen Gruppen nach Schichtindex
kamen Regressionsanalysen, die Berechnung von Konzentrationsindizes und deren Zerlegung zur
Anwendung. So konnte gemessen werden, welche Faktoren (Einkommen, Bildung, ...) welchen
Anteil an der gemessenen Ungleichheit ausmachen.
Darstellung der Ergebnisse
Ergebnis
- Ungünstige Gesundheitszustände häufen sich besonders in den unteren Schichten. Diese
Häufungen lassen sich wesentlich durch Bildungs- und Einkommenseffekte erklären. In den
unteren Schichten gibt es mehr Raucher und adipöse Personen, also medizinisch ungünstige
Verhaltensweisen.
- Untere soziale Gruppen suchen gehäuft Hausärzte auf, während obere Schichten gehäuft
Fachärzte aufsuchen. Vorsorgeleistungen wurden hingegen zu selten von unteren Schichten und
überwiegend von den oberen Schichten in Anspruch genommen. Das Ergebnis bleibt bestehen,
wenn Alter, Geschlecht und Erkrankungen berücksichtigt werden.
Handlungsempfehlung
Die Fähigkeit zu verantwortlichen Anpassung des eigenen Verhaltens und Lebensstils muss
gestärkt werden. Insbesondere Bewegung, Rauchen und Ernährung weisen schichtspezifische
Abweichungen auf. Effektive Maßnahmen sind zu entwickeln, um auch benachteiligte Gruppen zu
erreichen.
Es muss sicher gestellt werden, dass Arztbesuche nach medizinischer Notwendigkeit erfolgen und
nicht nach sozialen Kriterien. Ärzte (insbesondere Hausärzte) sollten generell in die Verbreitung
von Präventionsmaßnahmen eingebunden werden.
fördernde Institution: Dr. Werner Jackstädt Stiftung und Hans-Böckler Stiftung
Zeitraum: Januar 2008 - Juni 2009
Überlebenszeitanalyse in Disease Management Programmen
Projektleitung: Dipl.-Stat. Büscher
Ansprechpartner: PD Dr. med. Stock und Dipl.-Stat. Büscher
Projektkurzbeschreibung: Ziel: Anhand von Krankenkassendaten soll die Auswirkung des Disease
Managment Programmen (DMP) für Diabetes Mellitus auf die Überlebenszeit der eingeschriebenen
Versicherten untersucht werden.
Methodik: Hierzu soll die Überlebenszeit von DMP-Teilnehmern mit der Überlebenszeit von
Versicherten verglichen werden, bei denen die gleiche Erkrankung vorliegt, die aber nicht am DMP
teilnehmen. Die Interventionsgruppe bilden alle Versicherten die zu einem bestimmten Zeitpunkt ins
DMP eingeschrieben waren. Die Kontrollgruppe wird aus einer gleich großen Versichertengruppe von
Diabetikern gebildet. Um eine mögliche Verzerrung der Kontrollegruppe zu verhindern wird ein
Propensity Score Matching durchgeführt. Dadurch wird die bestmögliche Vergleichbarkeit der beiden
Gruppen unter „real life Bedingungen“ erreicht. Derzeit liegen Daten für den Zeitraum 2002 bis 2007
vor.
Zeitraum: 09 / 2009 bis 10 / 2011
Evaluation des Bonusprogramms „Aktiv Pluspunkten“ der BARMER Ersatzkasse
Projektleiter: PD Dr. med. S. Stock
Ansprechpartner: PD Dr. med. S. Stock, Dipl. Statistiker Guido Büscher
Einleitung: Zur Förderung der Prävention in der Gesetzlichen Krankenversicherung hat der
Gesetzgeber den Gesetzlichen Krankenkassen die Möglichkeit eingeräumt, ihren Versicherten
Anreize zur Inanspruchnahme präventiver Angebote zu geben. Eine Form sind die sogenannten
Bonusprogramme der Gesetzlichen Krankenversicherung. Sie sollen die Teilnahme der
Versicherten an Maßnahmen der primären bzw. sekundären Prävention fördern. Die
Implementierung der Programme durch die Gesetzlichen Krankenkassen ist an die Prämisse
gebunden, dass die Programmkosten durch Verminderungen in den Leistungsausgaben der
teilnehmenden Versicherten kompensiert werden.
Methodik: Zur Prüfung der Hypothese, dass die in den Bonusprogrammen angebotenen
Maßnahmen der Prävention zu einer Senkung der Leistungsausgaben teilnehmender Versicherter
im Vergleich zu nicht teilnehmenden Versicherten führt, wird eine nicht-randomisierte,
kontrollierte Studie mit Interventions- und Kontrollgruppe durchgeführt. Einschlusskriterien für die
Interventionsgruppe sind der Nachweis der aktiven Teilnahme am Programm sowie die kontinuierliche
Einschreibung bei der BARMER über den Interventionszeitraum. Die Kontrollgruppe setzt sich aus
nicht am Programm teilnehmenden Versicherten zusammen, die mittels eines Matching-
Verfahrens den entsprechenden Teilnehmern der Interventionsgruppe zugeordnet wurden. Zu
den Matching-Kriterien gehörten Alter, Geschlecht, Postleitzahl, Versichertenstatus und
Leistungsausgaben in drei Hauptleistungsbereichen vor Einschreibung in das Programm.
Ergebnisse: Zum ersten Evaluationszeitpunkt 2006 zeigt sich, dass in der Interventionsgruppe
ein signifikanter Rückgang der Gesamtausgaben vorliegt: Der Zuwachs der Leistungsausgaben für
das Evaluationsjahr 2005 gegenüber dem Basisjahr 2003 liegt signifikant unter dem analogen
Wert der Kontrollgruppe (241,10 € pro Person). Selbst nach Berücksichtigung der Kosten des
Bonusprogramms in Höhe von 71,99 € pro Person pro Jahr liegen die Kosten bei einer Person der
Interventionsgruppe im Mittel um 169,11 € niedriger, als bei einer Person der Kontrollgruppe.
Schlussfolgerung: In der Zwischenauswertung werden Programm- und Bonuskosten nicht nur
vollständig aus den Einsparungen getragen, sondern deutlich überkompensiert. Längere
Laufzeiten der Bonusprogramme könnten ggf. zu höheren Einsparungen führen, da
biomedizinische Effekte erst nach ca. 10 bis 15 Jahren ihre volle Auswirkung zeigen dürften. Die
Endauswertung wird zur Zeit zur Publikation vorbereitet.
Zeitraum: 03 / 2004 bis 12 / 2010
Versorgungsstudie zur Einnahmegenauigkeit von Rivaroxaban nach Umstellung von intravenöser zu
peroraler Gabe bei der Prophylaxe venöser thromboembolien nach elektivem Hüft- und
Kniegelenkersatz
Projektleitung: Die Studie wird von der Klinischen Pharmakologie (Prof. Herzig) in
Kooperation mit
der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie und dem Institut für Gesundheitsökonomie
und Klinische Epidemiologie der UNIKLINIK KÖLN durchgeführt.
Ansprechpartner: Carsten Müller, Dr. Schlueter-Brust, PD Dr. Stephanie Stock
Projektkurzbeschreibung: Einleitung: Rivaroxaban gehört zu einer neuen Klasse von
Antikoagulantien zur Prophylaxe von Thrombosen nach großen orthopädischen Operationen. Das
Mittel bietet im Vergleich zur derzeitigen Standardtherapie mit parenteral verabreichtem
niedermolekularem Heparin Vorteile für die Patienten: (1) Es kann peroral eingenommen anstatt
subcutan gespritzt zu werden. (2) In einer aktuell abgeschlossenen klinischen Phase-III-Studie
(RECORD-Studie) wurde das Risiko tiefer Venenthrombosen, Lungenembolien oder Tod durch
Thrombolien durch Rivaroxaban nahezu halbiert. Es fand sich kein signifikanter Unterschied im
Auftreten von Nebenwirkungen.
Allerdings spielt die Einnahmegenauigkeit von peroral eingenommenen Arzneimitteln,
insbesondere von Rivaroxaban, unter Berücksichtigung möglicher Wirkungsminderungen eine
besondere Rolle. In dieser Versorgungsstudie soll daher die Einnahmeverlässlichkeit von
Rivaroxaban, sowie die Patientenzufriedenheit und die Akzeptanz der neuen Therapie bei
Patienten und Pflegepersonal eruiert werden. Hierzu sollen während eines Jahres Daten mit Hilfe
von Fragebögen (Patienten) bzw. Interviews (Pflegepersonal) gesammelt werden.
Methodik: Befragung und Interviews.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Die Studie wird zur Zeit vorbereitet.
Kooperationspartner: Die Studie wird vom Institut für Pharmakologie sowie von der Klinik und
Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in Zusammenarbeit mit dem IGKE durchgeführt.
Zeitraum: Die Studie wird zur Zeit vorbereitet.
Entwicklung eines patientenindividuellen Informationsalgorithmus sowie von therapiebegleitenden
Informationsmeilensteinen für onkologische Patienten
Projektleitung: Herr Prof. J. Wolf, Frau PD S. Stock, Frau M. Schwarzkopff
Ansprechpartner: Herr Daniele Civello, Frau PD Dr. med. Stock
Projektkurzbeschreibung: Vorabeiten: In dem von der Dr. Werner Jackstädt-Stiftung geförderten
Projekt “Entwicklung von zentrumsadaptierten Patientenleitlinien für Krebserkrankungen im
Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) am Universitätsklinikum Köln“ wurden für die
Erkrankungen Lungenkrebs und Dickdarmkrebs sowie übergreifend für die Palliativmedizin
internetbasierte und zentrumsadaptierte Patienteninformationen entwickelt. Diese wurden im
Rahmen eines Symposium im März des Jahres 2009 der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Diese
Fachinformationen wurden analog der Methodik des Nationalen Versorgungsleitlinienprojekts der
AWMF, BÄK und KBV auf dem Boden vorhandener evidenzbasierter Expertenleitlinien entwickelt.
Im Gegensatz zu den geplanten Patientenversionen der AWMF handelt es sich jedoch um
zentrumsadaptierte Patienteninformationen. Diese basieren auf den zentrums-adaptierten
medizinischen Leitlinien (Standard-Operating Procedures; SOP), die auf dem Boden der AWMF-
Leitlinien das konkrete Vorgehen im Centrum für Integrierte Onkologie beschreiben und jährlich
aktualisiert werden.
Einleitung: für die optimale Nutzung der im Internet bereitgestellten Patienteninformationen ist
eine stärkere Verzahnung mit dem klinischen Versorgungsalltag wichtig. Hierzu sollen gezielt
Implementierungsstrategien entwickelt werden, die sicher stellen, dass alle Patienten (die dies
wünschen) zielgenau mit individuell auf ihren Krankheitsverlauf adaptierten Informationen zum
entsprechenden Zeitpunkt im Therapieverlauf versorgt werden können. Nur dann ist eine aktive
Partizipation von Patienten bei Diagnostik- und Therapieentscheidungen sowie in Teilen an der
Therapie selbst möglich. Ziel des Projektes ist die Entwicklung folgender Instrumente:
- ein Instrument zur Einschätzung des patientenindividuellen Informationsbedarfs (individual
patient information / education needs assessment tool) vor Therapiebeginn
- ein Instrument zur Erstellung eines patientenindividuellen Informationsalgorithmus über den
Krankheitsverlauf hinweg (individual patient education / information plan) sowie
- die Entwicklung und Umsetzung von Implementierungsinstrumenten, die in Abhängigkeit
vom eruierten Informationsbedarf und dem Krankheitsverlauf an bestimmten
„Informationsmeilensteinen“ eingesetzt werden können. Diese können z. B. eine
Informationsmappe, Informationsblätter, Informationsbroschüren, Visitenkarten mit der Web-
Adresse zur Nach- und Vorbereitung von Arztgesprächen (z.B. häufige Fragen und Antworten
oder Therapiealgorithmen), Filmmaterial, Email-Sprechstundenoder thematische
Patientensprechstunden sein. Zusätzlich sollen Angebote für Angehörige von Erkrankten
eingerichtet werden.
Laufzeit: 2009-2011
Fördernde Institution: Dr. Werner Jackstädt-Stiftung¶
Palliativmedizin-Studie
Projektleitung: Das Projekt wird vom Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie
(IGKE) und der Palliativmedizin der Uniklink Köln durchgeführt.
Ansprechpartner: Frau PD Dr. med. S. Stock, Herr Dr. J. Gärtner
Projektkurzbeschreibung: Einleitung und Zielsetzung: Auf einer Palliativstation werden unheilbar
kranke Menschen mit begrenzter Lebenserwartung betreut. Bisher liegen auf Bundesebene keine
und international nur wenige valide Daten über die Auswirkungen der Einbindung der
Palliativmedizin in die Betreuung krebskranker Patienten vor. Als gesichert kann jedoch gelten,
dass die Durchführung einer palliativmedizinischen Betreuung keinen Einfluss auf eine
Verlängerung oder Verkürzung der Lebenszeit hat. Es wird jedoch angenommen, dass bei
palliativmedizinisch betreuten Patienten in den letzten Lebensmonaten weniger aggressive
invasive Maßnahmen durchgeführt werden. Weiterhin wird angenommen, dass palliativmedizinisch
betreute Patienten eine adäquatere Schmerztherapie erhalten als Patienten in der
Routineversorgung. Um dies zu prüfen, soll analysiert werden, welchen Einfluss eine strukturierte
palliativmedizinische Betreuung auf die Anzahl der durchgeführten aggressiven bzw. invasiven
Maßnahmen, die Verschreibung von Opiaten sowie auf die Gesamtkosten von Patienten mit
soliden Tumoren hat. Untersucht wird der Zeitraum ab Beginn der ersten stationären
palliativmedizinischen Intervention bis zum Tod. Weiterhin wird der Einfluss einer
palliativstationären Behandlung auf den Sterbeort untersucht.
Methodik: Um die erzielten Effekte zu prüfen, werden Krankenversicherungsroutinedaten der
Barmer Versicherung (Kalenderjahre 2005 bis 2008) für Patienten mit einem soliden Tumor
untersucht. Es wird eine Interventionsgruppe mit mindestens einem stationären
palliativmedizinischen Aufenthalt und eine Kontrollgruppe ohne einen solchen Aufenthalt gebildet.
Um beide Gruppen vergleichbar zu machen und einen Selektions-Bias zu minimieren, werden
mittels Propensity Score Matching Paare gebildet.
Ergebnisse: Dieses Projekt befindet sich in der Vorbereitungsphase.
Laufzeit: 07 / 2009 - 10 / 2010
Fördernde Institution: Dr. Werner Jackstädt-Stiftung
Evaluation des Disease Management Programms Diabetes Mellitus Typ 2 der BARMER Ersatzkasse
Projektleitung: Frau PD Dr. S. Stock, Herr PD Dr. M. Lüngen
Ansprechpartner: Frau PD Dr. med. S. Stock
Projektkurzbeschreibung: Einleitung: Disease Management Programme (DMPs) sind strukturierte
Behandlungsprogramme für
i.d.R. chronisch kranke Patienten. Die Programme basierten auf evidenzbasierten
Behandlungsempfehlungen, Patientenschulung und –information, strukturierte Untersuchung und
Dokumentation, Vereinbarung individueller Therapieziele, Koordination der Versorgung einschließlich
Schnittstellenmanagement sowie Qualitätssicherungsprozesse wie Reminder und Feedback für die
beteiligten Praxen. Die Wirksamkeit solcher Programme wurde weltweit in Studien belegt. 2002
wurden die gesetzlichen Grundlagen für die Einführung der Programme in der Gesetzlichen
Krankenversicherung in Deutschland geschaffen.
Methode: Um medizinische/ökonomische Outcomes des Diabetes Disease Management Programms
zu untersuchen, wird in einer kontrollierten Studie aus Krankenkassenroutinedaten der Barmer
Krankenkasse eine Interventionsgruppe (DMP-Teilnehmer) mit einer Kontrollgruppe (Nicht-
Teilnehmer) verglichen.. Zur Reduktion des Selektionsbias, der solchen Programmen inhärent ist,
werden die Gruppen mittels Propensity Score Matching gebildet.
Laufzeit: 06 / 2007 - 12 / 2011
Demenz
Projektleitung: Prof. Dr. J. Kessler, Bereichsleiter Neuropsychologie Klinik und Poliklinik für Neurologie der Uniklinik Köln
Ansprechpartner: Dipl.- Volkswirtin Anna Passon
Projektkurzbeschreibung: In Deutschland leiden zwischen 6,5% und 7,3% der Bevölkerung über 65 Jahren an einer Demenzerkrankung. Dies führt zu einer durchschnittlichen Prävalenz von ca. 1.000.000 an Demenz erkrankten Menschen über 65 im Jahr 2002. Der demographische Wandel wird in Zukunft zu einer deutlichen Steigerung der Demenzerkrankungen führen.
Obwohl der Anteil der an einer Demenz erkrankten Menschen in den letzten Jahren zugenommen hat und die Pflege der Patienten erhebliche Kosten verursacht, besteht für viele Aspekte noch deutlicher Forschungsbedarf. Das IGKE beschäftigt sich im Rahmen des Projekts „Diagnostik und Behandlungsstrukturen von Demenzerkrankungen bei Migranten und der Gesamtbevölkerung Deutschlands“ mit der Entwicklung und Validierung eines Instruments zur Erfassung von Demenzerkrankungen bei Subgruppen ohne oder mit eingeschränkter Kenntnis der deutschen Sprache. Zudem sollen Prävalenz, Pflegeaufkommen, Behandlungsstrukturen und Kosten neu erfasst werden. Über die Prävalenzen der Allgemeinbevölkerung sollen Prävalenzen für Menschen mit Migrationshintergrund abgeschätzt werden.
Laufzeit: 01.01.2009 – 31.12.2010
Erstellung evidenz-basierter Patienten-Leitlinien
Projektleiter: Prof. Dr. J. Wolf, M. Schwartzkopff, PD Dr. S. Stock
Ansprechpartner: Frau Marion Schwartzkopff, Frau PD Dr. med. Stephanie Stock
Kurzbeschreibung: Patientenleitlinien gewinnen zunehmend an Bedeutung, da sie die Grundlage für eine partizipative Entscheidungsfindung zwischen Patient und Arzt sind. Obwohl es zum Thema Krebsbehandlung bereits eine Vielzahl von Informationen unterschiedlicher Qualität für Laien gibt, existieren bisher keine Patientenleitlinien, die den Anforderungen der evidenzbasierten Medizin genügen und in einem wissenschaftlich fundierten, strukturierten Konsensusverfahren unter Mitwirkung von Patienten für Patienten erstellt wurden. Die Qualität, Verständlichkeit und wissenschaftliche Grundlage dieser Materialien ist sehr unterschiedlich. Sie können Patienten nicht guten Gewissens empfohlen werden.
Im Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) am Universitätsklinikum Köln werden neue Wege zur Umsetzung einer patientenzentrierten Behandlung beschritten (u.a. Patientenlotsen, interdisziplinäre Sprechstunden, angewandte Psychoonkologie). Ziel ist die enge Einbindung des Patienten und die Erstellung individueller Therapiepläne, die die Präferenzen des einzelnen Patienten berücksichtigen. Basierend hierauf ist das Ziel des Projektes die Erstellung von Patientenleitlinien für die Diagnostik und Behandlung bösartiger Tumoren der Lunge und des Dickdarms in einer patientenverständlichen Sprache. Neben der Patientenbeteiligung und der Evidenzbasiertheit (wissenschaftliche Fundierung) soll bei der Ausarbeitung dieser Patientenleitlinien besonderes Gewicht auf eine laienverständliche Darstellung, patientenbezogene Fragestellungen und die Formulierung von Empfehlungen gelegt werden. Insbesondere Risiken, Nutzen und Nebenwirkungen von Therapiealternativen sollen verständlich dargestellt und quantifiziert werden. Die Publikation soll in einem elektronischen Patientenportal erfolgen, das die übersichtliche Darstellung auf dem Bildschirm sowie den Ausdruck erlaubt. Das Qualitätsmanagement des CIO hat bereits elektronische Leitlinien für Ärzte entwickelt, ein auf Qualitäts- bzw. Prozessindikatoren beruhendes Messsystem zur Implementierungskontrolle befindet sich im Aufbau. Die Erstellung von Patientenleitlinien kann auf diesen Vorarbeiten direkt aufbauen und wird einen zentralen Beitrag zur Optimierung der Behandlungsqualität von Krebspatienten leisten.
Zeitraum: 06 / 2007 - 03 /2009
Fördernde Institution: Dr. Werner Jackstädt Stiftung
Analyse des gesundheits- und sozioökonomischen Einflusses der Alkoholabhängigkeit von Eltern
Projektleiter: Prof. Michael Klein, Katholische Hochschule Köln
Ansprechpartner: Dipl.-Volkswirtin Anna Passon
Projektkurzbeschreibung: Im Rahmen des EU Projekts „Reducing Harm and Building Capacities for Children Effected by Parental Alcohol Problems“ (Chapaps) untersucht das Institut für Gesund-heitsökonomie und klinische Epidemiologie die gesundheits- und sozioökonomischen Folgen die sich aus einer Alkoholabhängigkeit der Eltern ergeben. Darüber hinaus werden Therapie- und Präventionsmaßnahmen evaluiert.
In einem „Catalogue of Key Figures“ wird zuerst der Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen in den 17 teilnehmenden Ländern verglichen. Zudem wird untersucht, welche Informations- und Aufklärungsprogramme bezüglich der Gefahren des Alkoholmissbrauchs angeboten werden. Darüber hinaus wird erfasst, welche Programme zur Behandlung und Betreuung von Alkoholabhängigen und deren Kindern angeboten werden.
Zusätzlich werden die direkten und indirekten Kosten benannt, die durch eine Alkoholabhängigkeit der Eltern entstehen können. Die bestehenden Therapie- und Präventionsprogramme für Kinder aus alkoholbelasteten Familien werden hinsichtlich ihrer Maßnahmen, der Struktur, der Qualität und der Ergebnisse evaluiert. Anhand der verfügbaren Daten werden Kriterien für ein einheitliches und kohärentes Evaluationssystem für Präventionsmaßnahmen entwickelt.
Weitere Informationen zum Projekt Chapaps:
http://www.encare.de/content/projects/ev.php
Laufzeit: bis Juli 2010
Fördernde Institution: Europäische Kommission, Generaldirektion Sanco
Decision Modeling to Maximize the Benefit from Investment in Population Health/Quality Improvement
Projektleiter: PD Dr. med. Dr. rer. pol. Afschin Gandjour, MBA
Projektkurzbeschreibung: Given limited health care resources, policymakers need to make important tradeoffs. One is between investment in better quality of care (ie, a reduction of underuse, overuse, and misuse of existing treatments), and funding new treatments. At a more fundamental level, policymakers need to decide whether to invest in quality improvement (QI) strategies or additional research on the effectiveness of QI strategies. In making decisions, policymakers need evidence on the effectiveness, costs, and cost-effectiveness of each of the investment opportunities (ie, new interventions, QI strategies, and QI research). Research on the cost-effectiveness of QI strategies has been very limited so far [see, eg, recent systematic reviews by Kilpatrick et al. (2005) and Schmidek et al. (2005)]. Similarly, there is a lack of relevant research on the effectiveness of QI strategies (Improved Clinical Effectiveness through Behavioural Research Group 2006). One way to generate systematic evidence on the cost-effectiveness of QI strategies is decision-analysis or computer modeling. Decision models simulate the introduction of QI measures in the real world. To this end, they use empirical data on the effectiveness of QI strategies and combine them with cost-effectiveness data on the medical intervention to be implemented (Mason et al., 2001; Gandjour and Lauterbach, 2003 & 2005). Further, they assess cost-effectiveness over a long period of time (Sculpher et al., 2006). The overall purpose of the research program is to improve resource allocation decisions in health care. To this end, the program aims at providing policymakers with new evidence on the cost-effectiveness of selected new interventions, QI strategies, and QI research. In order to determine the cost-effectiveness of these investment opportunities, decision models will be developed. The general structure of these models will make them applicable to any country and quality problem.
Laufzeit: 2006 - 2010
Veröffentlichungen
Zeitschriftenaufsätze
- Stock S, Stollenwerk B, Klever-Deichert G, Redaelli M, Büscher G, Graf C, Möhlendick K, Gerber A, Lüngen M, Lauterbach KW. Preliminary Analysis of Short Term Financial Implications of a revention Bonus Program: First Results from the German Statutory Health Insurance. International Journal of Public Health 2008;57:1-9.
